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D. L. M. Mench

Autorin * Kinderbuchautorin * Tierrechtlerin

Kuh Bluebell und dlm mench - zurück zur Startseite
Glühwürmchen

Das kleine Glühwürmchen

Platsch. Das kleine Glühwürmchen landete unsanft auf der kalten Tischplatte. Erstaunt sah es sich um. Es befand sich in einem dunklen Raum. „Wo bin ich nur?“ fragte es verwundert in die Dunkelheit hinein. „Du bist im Eßzimmer, kleines Glühwürmchen. Genaugenommen sitzt du mitten auf dem Eßtisch“, sagte eine Stimme. Das Glühwürmchen sah sich um. In dem Licht, das sein kleiner Körper ausstrahlte, konnte es nicht viel erkennen.

Zeichnung: Spinne„Wer ist denn da?“ fragte das Glühwürmchen. „Hab’ keine Angst“, antwortete die Stimme. „Ich sitze hier oben in der Ecke, in meinem Netz. Ich tue dir nichts.“ „Bist Du etwa eine Spinne?“ wollte das Glühwürmchen wissen. „Spinnen fressen doch keine Glühwürmchen, oder?“ „Nein, sei beruhigt“, sagte die Spinne, „ich habe heute schon gegessen. Eine leckere Fliege habe ich gefangen. Nun bin ich satt und wollte ein Nickerchen machen, aber dein Licht stört mich. Kannst du es nicht ausmachen?“ „Nein das geht leider nicht. Aber ein wenig dunkler kann ich es schon machen.“ Das Glühwürmchen strahlte jetzt wirklich nicht mehr so hell.

Glühwürmchen, Spinne und Maus - Zeichnung„Wie komme ich denn hierher?“ wollte es von der Spinne wissen. „Nun, die alte Frau, die in diesem Haus wohnt, hat heute im Garten Zweige geschnitten und in die Blumenvase auf dem Tisch gestellt. Du mußt wohl auf einem Zweig geschlafen haben.“ „Oh je, dann bin ich wohl ganz alleine hier. Ich will heim, zu meiner Familie!“ schluchzte das kleine Glühwürmchen. „Eigentlich ist es nicht schlecht hier“, sagte die Spinne. „Das Essen kommt immer von selbst vorbeigeflogen, man muß nur ein wenig warten. Aber ich verstehe, daß du nach Hause willst. Leider schließt die alte Frau abends immer alle Fenster. Das bedeutet, du sitzt hier fest.“

Das Glühwürmchen wurde nun wütend. Aufgeregt flog es im Zimmer herum. Doch die Fenster waren wirklich alle geschlossen. Verzweifelt landete es wieder auf dem Eßtisch. Sein Licht war nun ganz schwach.
„Warte, ich habe eine Idee“, rief die Spinne. „Wir fragen die Maus, die kennt sich hier im Haus bestens aus. Vielleicht kann die dir helfen.“ „Oh, wenn Du das für mich tun würdest, das wäre schrecklich nett“, sagte das Glühwürmchen.

„Maus, Maus, komm heraus“, rief die Spinne. Eine Weile herrschte Stille, dann raschelte es unter dem Schrank. „Wer ruft mich da?“ piepste ein Stimmchen. Die Spinne erzählte der Maus vom Pech des Glühwürmchens. Die Maus war sofort bereit, zu helfen. „Natürlich weiß ich einen Weg nach draußen. Kannst du ganz tief fliegen, Glühwürmchen? Der Gang ist nämlich sehr niedrig.“ „Natürlich kann ich so hoch und so tief fliegen, wie ich mag. Glühwürmchen sind sehr geschickt“, prahlte das Glühwürmchen. „Na schön“, meinte die Maus, „allerdings wäre da noch etwas. Wenn du so hell strahlst, wird dich die Katze der alten Frau sofort bemerken und versuchen, dich zu fangen.“ Das Glühwürmchen fing vor Angst zu zittern an, was man am Flackern seines Lichtes sehen konnte. „Na komm schon, du mußt der Maus vertrauen, sie bringt dich wohlbehalten nach draußen“, rief die Spinne aufmunternd.

Das Glühwürmchen nahm allen Mut zusammen und flog zur Maus hinunter. Die Maus verschwand wieder unter dem Schrank und das Glühwürmchen flog ganz tief hinter ihr her. So tief, daß es mit seinen Füßchen fast den Boden berührte. In seinem Licht konnte das Glühwürmchen ein Loch in der Wand erkennen. Dahinter war ein Tunnel. Die Maus stand schon davor und winkte ungeduldig. Sie verschwand im Tunnel und das Glühwürmchen folgte ihr. Der Tunnel war sehr eng. In alle Richtungen gingen Wege ab. „Wie findest du dich hier nur zurecht?“ wollte das Glühwürmchen von der Maus wissen. „Ich bin halt sehr gescheit,“ sagte die Maus. „Auch wenn die Katze sich immer für gescheiter hält.“

Die Maus bog plötzlich in einen anderen Gang ein. Das Glühwürmchen konnte nicht so schnell bremsen und flog vorbei. „Hierher!“ rief die Maus. „Du mußt immer schön bei mir bleiben! Hast du nicht gesagt, Glühwürmchen wären sehr geschickte Flieger? Du mußt wohl noch ein wenig üben, damit du die Kurven kriegst.“

Zeichnung: MondAuf einmal war es ganz windig. Das Glühwürmchen mußte hart gegen den Wind ankämpfen, um vorwärts zu kommen. „Gleich haben wir es geschafft“, kündigte die Maus an. „Dort ist schon der Garten.“ Tatsächlich, das Glühwürmchen konnte einen Ausgang erkennen. „Laß’ mich vorgehen“, kommandierte die Maus. „Ich will erst sehen, ob die Katze vor dem Ausgang lauert“. Sie schlich vorsichtig voran. Dann winkte sie dem Glühwürmchen zu. „Die Luft ist rein. Jetzt mußt du alleine weiterfliegen. Ich will noch auf einen Sprung in die Speisekammer. Die alte Frau hat heute Käse gekauft.“ Ehe das Glühwürmchen der Maus danken konnte, war sie schon verschwunden.
Das Glühwürmchen flog alleine weiter. Es war wirklich im Garten. Es flog höher und sah sich ratlos um. Wie sollte es in dem großen Garten nur seine Familie finden?

In diesem Augenblick begann einer der Apfelbäume zu leuchten. Er strahlte, als ob er mit vielen Kerzen geschmückt wäre. Die Lichter tanzten auf und ab. Es flog näher und konnte auf einmal Stimmen hören. Die Lichter waren jedoch keine Kerzen, sondern viele, viele Glühwürmchen. Seine Eltern und die ganze große Familie hatten sich Sorgen gemacht und sich in den Apfelbaum gesetzt, um ihm den Weg nach Hause zu zeigen. Überglücklich landete das kleine Glühwürmchen im Baum. Immer wieder mußte es sein Abenteuer erzählen, bis es müde und zufrieden einschlief.

Diese Geschichte war unter den Gewinnern eines Literaturwettbewerb der "Münchner Palette".
Sie wurde bereits bei TeBiTo auf einer Audiokassette mit Gute-Nacht-Geschichten
veröffentlicht und im Buch "Träum schön, mein Kind" von Familie & Co.

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