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D. L. M. Mench

Autorin * Kinderbuchautorin * Tierrechtlerin

Kuh Bluebell und dlm mench - zurück zur Startseite
Tausendfüßler mit bunten Schuhen

Wie der Tausendfüßler seinen Schuh zurückbekam

Es war einmal ein Tausendfüßler. Der war immer unterwegs, denn er verdiente sich alles, was er zum Leben brauchte, indem er für andere Bewohner des Tierreiches Nachrichten von einem Ort zum anderen überbrachte. Der Tausendfüßler konnte ohne Pause weite Strecken laufen, denn er benutzte abwechselnd immer nur jedes zweite Beinchen. Die anderen Beinchen konnten sich solange ausruhen.

An jedem Fuß hatte er einen Schuh. Die Schuhe sahen alle unterschiedlich aus, denn wo sollte der Tausendfüßler eintausend gleiche Schuhe herbekommen? Manche waren schon abgewetzt, manche dagegen sahen noch recht neu aus. Aber schmutzig waren sie alle. Der Tausendfüßler hatte einfach keine Lust, jeden Abend eintausend Schuhe zu putzen.

Manchmal, wenn eine Nachricht besonders wichtig war, schrieb sie der Tausendfüßler auf und steckte den Zettel in einen Schuh. Natürlich konnte es vorkommen, dass er vergaß, in welchem Schuh nun welche Nachricht steckte. Er musste dann in vielen Schuhen nachsehen, ehe er die passende Nachricht fand.

AmeiseEines Tages, als er gerade über einen dünnen Ast gehen wollte, den Ameisen als Brücke über den Bach gelegt hatten, rutschte eines seiner Beinchen aus. Der Ast war glitschig, denn es hatte in der Nacht kräftig geregnet. Der Tausendfüßler konnte sich nicht auf der Brücke halten, seine Beinchen verhedderten sich ineinander und er fiel mit einem lauten Schrei ins Wasser. Die Strömung war recht stark, doch es gelang ihm, sich am Ufer festzuhalten. Sofort kamen die Ameisen angerannt, um ihn an Land zu ziehen. Da saß er nun nass und keuchend im Gras und schimpfte, weil die Zettel in seinen Schuhen feucht geworden waren. Die Tinte war im Wasser zerlaufen, und er konnte nichts mehr lesen. Er wurde jedoch richtig wütend, als er bemerkte, dass ihm ein Schuh fehlte. Er sah ihn gerade noch im Bach davonschwimmen, schon zu weit weg, um ihn noch einzuholen.

„Wie soll ich denn nun gehen?“ fragte er die Ameisen. „Du brauchst einen neuen Schuh!“ rief eine Ameise. „Woher soll er den denn bekommen?“ fragte eine andere Ameise. „Der Schuster ist doch schon lange fortgezogen.“ Ratlos standen die Ameisen im Kreis um den Tausendfüßler herum.

Tausendfüßler schaut in den Bach, Ameisen stehen dabei, Libelle sirrt über dem Wasser„Was ist denn hier los?“ tönte es plötzlich aus der Luft. Lautlos und von allen unbemerkt war eine blaue Libelle herangeschwirrt. Aufgeregt schilderten ihr die Ameisen das Unglück des Tausendfüßlers, der jetzt traurig den Kopf hängen ließ. „Einen alten Schuh habe ich gesehen“, sagte die Libelle, „er hat sich am Ufer im Gebüsch verfangen. Dahinten, gleich hinter der Biegung, dort liegt er.“ Der Tausendfüßler fragte hoffnungsvoll: „Meinen Sie, man kann ihn herausholen, Frau Libelle?“ „Bestimmt“, antwortete die Libelle fröhlich. „Kommt alle mit, ich zeige euch die Stelle!“ Die Libelle flog den Bach entlang, und die Ameisen und der Tausendfüßler folgten ihr am Ufer. Der Tausendfüßler hinkte ein wenig, der Schuh fehlte ihm sehr.

LibelleAls die kleine Gesellschaft an dem Ort angekommen war, an dem der Schuh sich im Gebüsch verfangen hatte, wurden ihre Hoffnungen jedoch enttäuscht. Das Ufer war hier sehr steil, und der Schuh lag weit unten im Wasser. Ganz verzweifelt sagte der Tausendfüßler: „Da kommt ja keiner hin. Der Schuh ist auf ewig verloren!“ „Nur nicht gleich aufgeben!“ sagte die Libelle. „Ich kann doch eine von euch Ameisen dorthin fliegen. Die kann dann den Schuh aus dem Wasser ziehen.“

Das ist ein guter Einfall!“ meinte der Tausendfüßler, „Freiwillige vor!“ Die Ameisen waren auf einmal ganz still. Keine von ihnen war schon einmal geflogen und sie hatten Angst davor. „Was seid ihr doch für Feiglinge!“ meinte der Tausendfüßler. „Es geht doch auch anders“, schlug eine Ameise vor. „Wir bilden eine Kette am Ufer hinunter. Die Libelle lässt ein Seil hinunter und der, der ganz unten ist, bindet den Schuh daran fest. Die Libelle zieht den Schuh dann hoch und fliegt ihn hierher.“ „Das ist ein guter Vorschlag“, meinte die Libelle, „nur, woher bekommen wir ein Seil?“

Spinne gibt Libelle den FadenDas bekommt ihr von mir“, sagte eine Stimme aus dem hohen Gras. Eine Spinne krabbelte hervor. „Ich habe alles mitangehört. Ein Seil kann ich Euch schnell spinnen“. Sie machte sich gleich an die Arbeit. Die Libelle schnürte sich das Seil um und schwirrte los. Die Ameisen bildeten am Ufer hinunter eine Kette und banden den Schuh an das Seil. Der Tausendfüßler sah gespannt zu, wie der Schuh von der Libelle durch die Luft geflogen wurde.

Alle waren glücklich, dass er seinen Schuh wiederbekam. Der Schuh musste zwar noch ein wenig trocknen, aber der Tausendfüßler war nach all’ der Aufregung ohnehin zu müde, um gleich weiterzugehen, und schlief fest ein.

 


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